Infobeitrag: Emailschild für die Sächsische Automaten Industrie Dresden-Plauen

Wenn man das Schild zum ersten mal sieht ist es fraglich wofür hier Werbung gemacht wurde bzw. welche Funktion oder Bedeutung dieses Schild hatte.

 Das Emailschild:

„Sächsische Automaten Industrie Dresden Plauen“ Das Schild hat die Maße 44 x 33 cm ist flach und dick emailliert und im Jugendstil entworfen. Mittig-abgebildet ist ein Trinkgelage  verschiedener Verbindungen aus Heidelberg. Der allbekannte Trinkspruch „Hoch Alt Heidelberg“ ist auf dem Tisch verewigt.  „Alt Heidelberg“ zu jener Zeit so bekannt, dass sogar ein weltweit bekanntes Theaterstück aus dem studentischen Leben danach benannt wurde.  http://de.wikipedia.org/wiki/Alt-Heidelberg
 

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Eine Katze und ein Hund unter dem Tisch, schauen dem Treiben zu. Das ganze Motiv erscheint sehr eigenartig, zeittypisch und schlicht handgemalt.  Es wird angenommen, dass es sich bei den abgebildeten Burschen mit karmesinroter Tellermütze und schwarz-karmesinrot-weisser Orden oder Scherpe im Vordergrund,  um die Thuringia Corps aus Heidelberg handelt. Diese wurde 1908 von einem Greifswalder und 2 Heidelbergern aus einer Sängerschaft gegründet. Demnach und Aufgrund des Jugendstils ist das Schild um 1910 einzuordnen. Im unteren Bereich befinden sich zwei dick emaillierte Bierkrüge.

 
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Es wird Zigarre geraucht
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Wie passt das Wort Automaten dazu ??? Was wird beworben ??? Was hat das alles mit Dresden und seinem Stadtteil Plauen zu tun??
 
Hintergrundinformationen:
 
Seit 1870 war im Stadtteil Dresden-Plauen die Werkstatt mit Verzinnung von Anton Reiche (den viele von Bleschschildern kennen) ansässig. Hier wurden Krüge, Becher und natürlich auch Bierseidel mit klappbaren Zinndeckeln hergestellt. Erst 1888  entwickelte sich hieraus ein Industriezweig für Blechformen zur Produktion von Schokolade und Blechschilder sowie Blechdosen für Sarotti, Stollwerck,  Sprengel, Waldbauer, Manner & Meindl, Lindt, Suchard, Tobler u.sw.
 
Ganz besonders wichtig ; auch die Sparautomaten für die Firma Stollwerck und anderen Firmen wurden von Anton Reiche hergestellt. Es entwickelte sich hier eine der größten Automaten- und Blechwarenindustrie seiner Zeit.

Wahrscheinlich wurde die Verzinnerei parallel weiter betrieben,(ansonsten würde das Schild um 1870 sein, passt aber nicht mit dem Jugendstil und der Thuringia und der Automatenaufschrift) so dass um 1910 ein Emailschild produziert oder in Auftrag gegeben wurde, um Reklame für Bierseidel in großen Studentenstädten wie Heidelberg zu betreiben. Neben Blechproduktionen schien es ein lukratives Geschäft bei den gutbetuchten Burschenschaften aus „gutem Hause“  zu sein. Vielleicht gab es noch andere Schilder, die sich jeweils auf eine große Studentenstadt bezogen zb. Leipzig, Jena, Greifswald, Trier. Die verschiedenen Motive wurden dann evtl. entsprechend mit Emailfarbe per Hand aufgetragen und gebrannt nur die Schrift oben und die Krüge unten blieben auf allen Schildern gleich.
 

Vermutlich ist kein weiteres Schild bekannt.In Dresden befindet sich die Anton Reiche Ausstellung im Museum Hofmühle. Hier findet der Besucher eine der weltweit grössten und bedeutendsten Sammlungen von Schokoladenformen und künstlerisch wertvollen Blechwaren aus der Zeit von 1870 bis Anfang des 20. Jahrhunderts von Monika Tinhofer, Wien. Urenkelin von Anton Reiche. http://www.mhd-dd.de/mhd-reiche.html

Quellenverzeichnis:

http://www.theobroma-cacao.de/schoko-guide/schoko-guide/alphabetische-liste/detailansicht/schokolade/details/anton-reiche/

http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Anton_Reiche

http://www.mhd-dd.de/mhd-reiche.html